Eine Gruppe von 19 Schülerinnen und Schülern aller Schularten der Klassen 9 und zwei Lehrerinnen der Oscar-Paret-Schule war in der letzten Woche im Rahmen des neu gestarteten Erasmus+ Projekts „Learning from the Holocaust“ in Berlin, um sich vor Ort ein Bild über das Leben und den Umgang mit den Menschen zu machen, die nicht dem Menschenbild in der Zeit unter Hitlers Herrschaft entsprachen.


Um unser Thema inhaltlich gut aufarbeiten zu können, haben wir zunächst an einer Führung in der neuen Synagoge teilgenommen, bei der uns das Leben in der jüdischen Gemeinde nähergebracht wurde. Wir waren auch in dem Betraum. Anschließend haben wir die Bürstenwerkstatt Otto Weidt kennengelernt, in der blinde Menschen gearbeitet haben, und so vor einem Abtransport in ein KZ bewahrt wurden. Otto Weidt hat zudem versucht, in einem Zimmer hinter der Werkstatt, das kein Fenster besitzt und etwa 9m² groß ist, eine vierköpfige jüdische Familie vor den Übergriffen der Nazis zu schützen, was daran gescheitert ist, dass die Familie sich einem Juden anvertraute, der den Nazis nahestand und diese verriet. Anschließend sind wir in dem Viertel rund um die Synagoge gewesen, haben uns die Besonderheiten des jüdischen Friedhofs angeschaut und über die Sicherheitsbedingungen an der jüdischen Schule gesprochen, die sich in unmittelbarer Nähe der Synagoge befindet.

Am nächsten Tag haben wir uns dem Dom und der Museumsinsel gewidmet. In ihrer Nähe befindet sich die neue Wache, in der die Plastik der trauernden Mutter von Käthe Kollwitz wahrzunehmen ist, die stellvertretend für alle steht, die im Krieg ums Leben gekommen sind. Anschließend haben wir uns auf den Weg ins KZ Sachsenhausen gemacht, einem Arbeitslager, in dem vor allem politische Häftlinge und später auch Minderheiten inhaftiert worden sind. In einer Führung haben wir eine Baracke besichtigt, die nachempfunden worden ist, und die Bedingungen im KZ erklärt bekommen, die uns sehr betroffen gemacht haben. 200.00 Menschen haben dieses KZ nicht überlebt.

Abends haben wir eine Tour, die durch eine App geführt wurde, durch Kreuzberg gemacht, bei der wir ebenfalls an Häusern vorbeigekommen sind, in denen auch jüdisches Leben stattgefunden hat. Hier mussten wir Rätsel lösen und haben so nebenbei einiges über das jüdische Leben erfahren. So sind wir auch am Jüdischen Museum vorbeigelaufen. Dieses konnten wir leider nicht besichtigen, weil dort gerade Umbauarbeiten stattfinden, so dass die Dauerausstellung nicht besucht werden konnte.

Unser Programm wurde durch den Besuch des Mahnmales für die Juden abgerundet, die in der Nazi- Zeit ums Leben gekommen sind. Uns wurde bewusst, dass dieses Mahnmal im Herzen Berlins zu finden ist und dass es darauf hinweist, dass das Unrecht, das den Juden widerfahren ist, sich nicht wiederholen darf. Von einst ca. 170.00 Juden haben 55.000 Juden die Verfolgungen in Berlin nicht überlebt. Von außen sind graue Betonblöcke zu sehen, zwischen denen man sich bewegen kann. Dabei macht man auch sinnliche Erfahrungen, was das Hören und das Empfinden angeht, denn es wird leise und bedrückend, wenn man sich in der Mitte befindet, zumal die Blöcke zur Mitte hin größer sind. Unterhalb des Mahnmals ist eine Ausstellung, in der man einzelne jüdische Schicksale verfolgen kann und nachvollziehen kann, was die Menschen durchmachen mussten.

In einer Art Tagebuch werden wir unsere Erlebnisse erfassen, so dass Interessierte am Ende unseres Zweijahresprojekts nachvollziehen können, welche Eindrücke wir gewonnen haben. Wir haben eine Menge erfahren und wir sind auch betroffen von dem Unrecht, das Menschen erleiden mussten, die sich der Nazi-Ideologie nicht angeschlossen oder einer Minderheit angehört haben. Mit diesen Erfahrungen wollen wir erarbeiten, was man heute tun kann, damit sich die Ereignisse nicht wiederholen.

Die Erasmus+ Gruppe, Simone Weiß und Diana Hoffmann