(Zeitungsartikel von Beate Volmari in der Ludwigsburger Kreiszeitung)

Die Oscar-Paret-Schule erhält beim Programm Erasmus plus von der EU Fördermittel für ein auf zwei Jahre festgelegtes Projekt. Das zentrale Thema lautet „Learning from the Holocaust“.

Insgesamt 18 Schüler aus den drei Abteilungen der Oscar-Paret-Schule (OPS) werden sich in den kommenden zwei Schuljahren verstärkt mit dem Thema Holocaust beschäftigen. „Unser im März eingereichter Antrag für die Teilnahme am Erasmus plus-Programm wurde jetzt inoffiziell bewilligt. Die offizielle Zusage der Fördermittel erhalten wir hoffentlich bis zu den Sommerferien“, freut sich Gymnasiallehrer Michael Tame, dass die von ihm ausgearbeitete Bewerbung erfolgreich war. Das Projekt beinhaltet auch die Kooperation mit drei Partnerschulen in Portugal, Spanien und Lettland.

Es sind die „Agrupamento de Escolas de Santa Comba Dão“ in Santa Comba Dão, die „I.E.S. Antonio Domínguez Ortiz“ in Sevilla und das „Ludzas pilsetas gimnazija“ in Ludza. Da die offizielle Sprache bei den Begegnungen Englisch ist, wurde auch der Projekttitel auf Englisch formuliert: „Learning from the Holocaust“ (Lernen vom Holocaust).

Besuch der Partnerschüler

Für die Teilnahme am Programm konnten sich die jetzigen Achtklässler bewerben. Insgesamt 18 wurden ausgewählt. Einige wenige haben eine Absage erhalten. Als Auswahlkriterien nennt Tame Zuverlässigkeit, die Möglichkeiten einen Partnerschüler für eine Woche aufzunehmen sowie Interesse am Thema. Denn der Besuch der Partnerschule ist kein Urlaub, sondern eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema.

Im ersten Halbjahr des kommenden Schuljahrs kommen 18 Jungen und Mädchen aus den drei Partnerschulen für eine Woche nach Freiberg. Auf dem Programm stehen unter anderem Exkursionen nach Dachau, Grafen-eck und Unterriexingen sowie eine Stolpersteintour in Ludwigsburg. Im zweiten Halbjahr reisen dann jeweils sechs Schüler aus Freiberg, Spanien und Lettland für eine Woche nach Portugal, im übernächsten Schuljahr steht dann für jeweils sechs Schüler der Austausch in Spanien und Lettland auf dem Programm. So besucht jeder Schüler eine Partnerschule.

Finanziert wird das Ganze über Erasmus plus. „Insgesamt sind es für unser Projekt 120.000 Euro“, erzählt Michael Tame. Er rechnet mit einem Anteil in Höhe von 30.000 Euro. In Portugal und Lettland sind die Freiberger ebenfalls in den Familien ihrer Partnerschüler untergebracht, in Spanien wohnen sie im Hostel. „Dort besuchen vor allem Roma die Partnerschule und uns wurde vorher mitgeteilt, dass es in den meisten Familien aus sozioökonomischen Gründen nicht möglich ist, eine Woche einen Gast aufzunehmen“, erklärt Tame.

Um die Roma geht es in Spanien auch bei der Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Dabei wird der Blick nicht nur auf die Vergangenheit gerichtet, sondern auch auf die Gegenwart. „Mit welchem Stigma sind Roma heute noch belegt?“, nennt Tame einen Diskussionspunkt. In Portugal begibt man sich auf die Spuren des portugiesischen Diktators António Oliveira de Salazar. Im lettischen Ludza gab es ein jüdisches Ghetto, außerdem geht es in der Stadt an der Grenze der EU um Grenzerfahrungen.

Toleranz und Respekt

Das Thema Holocaust wurde auch vor dem Hintergrund des aufkommenden Antisemitismus und Islamfeindlichkeit gewählt. Auch soll den Schülern ins Bewusstsein gerückt werden, dass Menschen mit Behinderung oder Homosexuelle Opfer waren. „Ziele von Erasmus sind Toleranz, Respekt und Wertschätzung der Vielfalt“, erklärt Tame. „Die Schüler sollen das Bewusstsein bekommen, dass wir als demokratische Europäer in der Verantwortung stehen, dass so etwas nie wieder passieren darf.“

Natürlich beschäftigen sich die Teilnehmer über den Schüleraustausch hinaus mit dem Thema, das in der neunten Klasse im Lehrplan steht. „Wir werden eine AG durchführen und unter anderem die Biografien der drei Holocaustopfer im heutigen Freiberg aufarbeiten“, plant Tame, der betont, dass die Teilnahme an Erasmus nur durch ein sehr engagiertes Lehrerteam möglich sei. Rund ein Dutzend Lehrkräfte aus den drei Abteilungen der OPS beteiligt sich, er selbst wurde durch seine Kollegin Katrin Schuhmann für das Erasmus-Programm begeistert.

Zum Abschluss des Projekts ist an jeder Partnerschule eine Ausstellung geplant, denn die Schüler sollen sich auch kreativ mit dem Thema auseinandersetzen. Doch jetzt steht erst einmal der Auftakt an. „Wir fahren mit unseren Schülern drei Tage nach Berlin, wo wir unter anderem das jüdische Museum besuchen“, erzählt Michael Tame. Die Reise solle auch dazu beitragen, dass die Gruppe zusammenwachse.

Autor: Beate Volmari